Modulare Abwasserreinigungsverfahren zur Wiederverwendung von Wasser, Nährstoffen und Energie als Chance für kleine und mittlere Unternehmen im regionalen Strukturwandel (AWAREGIO)

Vom strukturellen Wandel betroffene Regionen der alten und neuen Bundesländer stehen vor besonderen wirtschaftlichen, sozialen und bildungspolitischen sowie ökologischen Herausforderungen. Die zum 1. Oktober 2016 mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) begonnene Pilotmaßnahme AWAREGIO zielt darauf ab, durch Kooperation und Wissensaustausch zwischen Forschungsinstituten und kleinen und mittleren Unternehmen innovative, modular aufgebaute Abwasserreinigungsverfahren zu entwickeln und bis zur Marktreife zu bringen, um damit zum Aufbau einer international konkurrenzfähigen Wirtschaftsstruktur in vom Strukturwandel betroffenen Regionen beizutragen.

In Zusammenarbeit Aachener und Leipziger Forschungsinstituten, kleiner und mittlerer Unternehmen aus Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sowie der Linksniederrheinischen Entwässerungs-Genossenschaft (LINEG) als Wasserverband in der bergbaulich geprägten Region am linken Niederrhein wird eine halbtechnische Versuchsanlage mit angeschlossenen Pflanzenzucht (Hydroponik) und Fischzucht (Aquaponik) auf der Kläranlage Moers-Gerdt errichtet.

Entgegen den heute üblichen recht energieintensiven Reinigungsverfahren wird ein ressourcensparendes Anlagenkonzept verfolgt, in dem kommunales Abwasser in einem zweistufigen System mit einer wartungsarmen Primärreinigung und einer modularen sekundären Reinigungsstufe aufbereitet wird. Je nach Qualitätsanforderungen für die Wiederverwendung des Wassers in der Landwirtschaft, in der Fischzucht oder zum Ersatz von Trinkwasser werden energie- und kosteneffiziente  Verfahrenskombinationen entwickelt. Daneben werden innovative Verfahren zur Biogaserzeugung und Nährstoffrückgewinnung erprobt.

Um die hohen Anforderungen an die zu erreichende Wasserqualität zu gewährleisten, werden in AWAREGIO praxistaugliche Analysemethoden (u.a. Entwicklung einer Biotestbatterie, Passivsammlern und bioanalytischen Methoden) zur Überwachung pathogener Keime und Mikroschadstoffe untersucht, um die Unbedenklichkeit produzierter Nahrungsmittel sicherzustellen.

Aufbauend auf der Betriebserfahrung der Versuchsanlage werden die Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit einer großtechnischen Anlage bewertet und Marktchancen in Mitteleuropa sowie wasserarmen Regionen Südeuropas, Asiens und Afrikas aufgezeigt. Die beteiligten Unternehmen können die Anlage als Referenzanlage nutzen und ihre Exportstrategie anhand eines zu entwickelnden Leitfadens auf Zielregionen fokussieren. Außerdem wird die Anlage zur Aus- und Weiterbildung internationaler Fach- und Führungskräfte genutzt, um Entscheidungsträger mit innovativen abwassertechnischen Lösungen in Deutschland vertraut zu machen und auf diesem Weg neue Exportchancen zu erschließen. Von dem Anlagenkonzept können neue Impulse für die Wiederverwendung kommunalen Abwassers gerade in wasserarmen Schwellen- und Entwicklungsländern ausgehen.

Das Vorhaben soll in dreifacher Weise Ansätze zur Stärkung strukturschwacher Regionen liefern: (i) Entwicklung modularer, an die Anforderung dünnbesiedelter bzw. von Abwanderung gekennzeichneter Regionen angepasste Abwasserreinigungstechniken, (ii) Aufzeigen neuer Erwerbsstrukturen in der Fisch- und Gemüseproduktion in Hydroponik/Aquaponik, sowie (iii) Stärkung regionaler Innovationscluster und Schaffung von Arbeitsplätzen in Unternehmen der Abwassertechnik.

Das Verbundvorhaben „Modulare Abwasserreinigungsverfahren zur Wiederverwendung von Wasser, Nährstoffen und Energie als Chance für kleine und mittlere Unternehmen im regionalen Strukturwandel“ (AWAREGIO) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Verbundpartner sind:

  • Forschungsinstitut für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW) e.V.
  • Institut für Umweltforschung der RWTH Aachen
  • Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement (IIRM) der Universität Leipzig
  • TERRA URBANA Umlandentwicklungsgesellschaft mbH, Zossen
  • EvU-Innovative Umwelttechnik GmbH, Gröditz
  • A3 Water Solutions GmbH, Saerbeck
  • Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft (LINEG), Kamp-Lintfort

Ansprechpartner (Projektkoordinator):
FiW an der RWTH Aachen: Dr.-Ing. Henry Riße, 0241/80 26818, risse@fiw.rwth-aachen.de.